Nische finden

Seit ich knapp fünf Jahre alt bin, fasziniert mich das Schreiben. Ich habe keine Ahnung, wie viele leere Blätter ich bereits mit Text gefüllt habe. Am Anfang waren es kurze Geschichten und mein Tagebuch. Als ich älter wurde, schrieb ich die ersten längeren Texte, sogar einen Roman.

Parallel zum Schreiben machte ich Musik – zweifelsfrei mein größtes Talent. Es schien immer klar zu sein, dass dies auch später in irgendeiner Form mein Beruf werden könnte – ich gewann Wettbewerbe, Berufsmusiker prophezeiten mir eine glänzende Karriere als Soloflötistin, später Pianistin (mein Herzensinstrument.)

Wie das Leben manchmal spielt, ging ich dann einen ganz anderen Weg – weder das Schreiben noch die Musik wurde mein Beruf, stattdessen beschloss ich, in der Pflege zu arbeiten – ebenfalls eine echte Herzensentscheidung. Doch ich wage zu behaupten, dass ich weiß, was Kunst ist – und dazu gehören ganz klar sowohl die Musik als auch das Schreiben!

Und dazu bin ich sehr vielseitig. Grenzen, Einschränkungen und Schubladen sind mir zuwider. Ich mag es auch nicht, wenn Menschen “man muss”, “man soll aber”, “so geht das und nicht anders” sagen 😉

Nische finden

Was mir nie verständlich wurde:

Weswegen muss es beim Schreiben immer diese Begrenzungen geben, sich auf ein einziges Thema/ ein Genre/ eine Nische festzulegen?

Wenn Schreiben doch Kunst ist, warum ist es dann nicht toll, wenn man viele verschiedene Arten davon beherrscht? Weswegen kann ich nicht gleichzeitig Sachtexte, Blogartikel, Kurzgeschichten, einen Fantasyroman, Rezensionen von Büchern und Gedichte veröffentlichen?

Wenn ich Klavier spiele, finden es die Menschen immer super, dass ich sowohl Klassik als auch Rock beherrsche. “Du kannst echt alles spielen”, sagen sie bewundernd.

Beim Schreiben heißt es hingegen: “Was schreibst du denn? Du musst doch ein Genre haben?”

Oder, und jetzt komme ich zum Punkt:

Worum geht es denn in deinem Blog? Du kannst doch nicht einfach über alles schreiben! Jeder Autor hat ein bestimmtes Genre – und jeder Blogger bloggt über ein bestimmtes Thema!”

Nische finden

Diese Einschränkung, an die ich teilweise selber glaubte, machte mich kaputt. Ich bin ein vielseitiger Mensch und interessiere mich als solcher für die verschiedensten Themen. Über so viele davon wollte ich gerne schreiben. In verschiedenen Formen. Ich versuchte mich an mehreren Blogs mit Nische – und hätte darüber fast den Spaß am Bloggen verloren und alles für immer hingeschmissen.

Als ich 17 war, im Jahr 1998, zog das Internet in mein Leben ein und kurze Zeit später startete ich bereits meinen ersten Blog. Ich erlebte die rasante Entwicklung des WWW hautnah mit und verspürte von Anfang an eine große Faszination.

Je mehr sich das Netz ausbreitete, desto größere Möglichkeiten gab es für uns Menschen, sich dies auch kommerziell zu Nutzen zu machen – leider öffnete das auch Tür und Tore für Betrüger (und solche, die es werden wollten.)

Mittlerweile ist ein regelrechter Dschungel von Blogs im Netz vertreten – und die Meinung darüber, was “bloggen” eigentlich heißt, hat sich verändert.

Nische finden

Während es anfangs eine Art  interaktives Tagebuch war, in dem man Gedanken, Notizen und Ideen mit der Welt teilte, scheint es heute, zumindest hier in Deutschland, immer mehr zu einer kommerziell genutzten Plattform zu werden. Die Tipps, wie man einen erfolgreichen Blog führen sollte, sind unendlich.

Es scheint nur noch darum zu gehen, wie man seinen Blog zu Geld macht und möglichst viele Leser gewinnt. Artikel werden wie am Fließband produziert. Oft ohne Herz und Seele dahinter.

Hauptsache sie enthalten die richtigen SEO Keywords und verkaufen oder bewerben ein Produkt.

Und immer wieder kommt man auf einen Punkt zurück, wenn man sich damit beschäftigt – hier kommt mein persönliches Unwort der letzten Jahre:

Die Nische.

Beim Bloggen sollst du dich, wenn du unzähligen “Experten” und “Gurus” glaubst, auf ein bestimmtes Thema festlegen. Ein Blog über alles Mögliche, was dich interessiert? Kannst du machen, aber erfolgreich wirst du damit ganz bestimmt nicht, so deren Meinung. Hier ein paar Zitate aus dem (deutschen) Netz über Nischenblogs:

# “Eine klar definierte Nische bildet den Grundstein für viele wichtige Entscheidungen: Das allgemeine Blog Marketing, die richtige Zielgruppe und die Verwendung der Social Media Kanäle. Ohne Nische ist es fast unmöglich, seine Leserschaft einzugrenzen und gezielt anzusprechen.” (carolinepreuss.de)

# “Eine Entscheidung, vor der Blogger beim Start des eigenen Blogs stehen, ist die Wahl der Nische. Manche machen sich darüber überhaupt keine Gedanken. Dabei ist es eine sehr wichtige Entscheidung, welche große Auswirkungen auf die Zukunft des Blogs hat. Denn ohne die Wahl einer Nische und der damit verbundenen Entscheidungen, wird es für einen Blogger sehr schwer, einen Blog wirklich erfolgreich zu machen.”(Das Blogprojekt)

# “Wer heutzutage einen eigenen Blog erstellen möchte, der wird nicht erfolgreich, wenn er über alle möglichen Themen bloggt. Stattdessen sollte man sich auf ein spezielles Thema konzentrieren, über das möglichst wenige Blogger berichten. Kurz gesagt, um mit dem eigenen Blog erfolgreich zu werden, muss man eine Blog Nische finden.” (www.blogaufbau.de)

Man muss, man sollte, man hat es so und so zu machen.

Ich hasse diese Einschränkungen, verdammt!

Ich möchte auf meinem Blog schreiben, was mir am Herzen liegt. Ich will gleichzeitig Sachtexte über Content schreiben, eine Rezeptsammlung veröffentlichen und meinen Roman vorstellen. Ich will gute Bücher rezensieren und über Kurse berichten, die toll waren (oder eben auch nicht!).

Wenn ich einen unverwechselbaren Stil entwickelt habe und die Menschen mich daran wieder erkennen, so mein Traum, dann brauche ich keine Grenzen, Nischen und Einschränkungen!

Nische finden

Wer sagt denn, dass die Menschen alle so einseitig sind, dass sie immer nur über das gleiche Thema lesen möchten? Wer gibt diese “Regeln” vor? Wenn ich eine Radiosendung höre oder ein Morgenmagazin im Fernsehen schaue, wie fände ich es dann, wenn stupide immer nur ein und dasselbe Thema behandelt würde?

Kann nicht mein Stil und meine Leidenschaft die Menschen zum Lesen bewegen, ganz egal, über was ich schreibe?

Und was mache ich, wenn dieses eine Nischenthema mich irgendwann nicht mehr interessiert? Den Blog löschen, in den ich so viel Arbeit investiert habe?

Mein Blick über den Tellerrand – yes, you CAN blog without a niche!

Ich habe also begonnen, über dieses Thema zu recherchieren – nicht nur in Deutschland. Und war sehr überrascht, dass ich in anderen Ländern ganz andere Meinungen zu “dem Nischending” fand – und unzählige erfolgreiche Blogs, die ganz ohne Nische auskommen!

Und wenn man sich die Kommentare unter den Posts durchliest, scheinen das unzählige Leser super zu finden!

Hier einige Beispiele:

Is It Okay to NOT Have a Niche Blog?
(Helene Sula bloggt seit 2011 auf “Helene in Between” über viele verschiedene Themen, sie hat über 100.000 Leser im Monat und lebt gut von ihrem Blog, ihre Posts werden unzählige Male in den sozialen Netzwerken geteilt)

Yes, you CAN blog without a niche
(Elizabeth Tai bloggt sehr erfolgreich über das Autorenleben (sie hat mehrere Bücher in verschiedenen Genres geschrieben), über Minimalismus, das Schreiben, Selbstfürsorge, Bloggen & Social Media, Lesen, Selfpublishing….und noch einiges mehr. Und ja, sie tut das auf nur einem Blog!)

WHY YOU DON’T NEED A BLOG NICHE (AND WHAT YOU DO NEED INSTEAD
(Sheila ist Business Coach. Dieser Beitrag ist super interessant, weil sie Tipps gibt, wie man auch ohne Nische seinen Blog zum Erfolg führt – durch das HERZ und den Stil des Blogs nämlich)

Nische finden

Es gibt noch einige weitere Beispiele, doch ich möchte diesen Artikel nicht ausufern lassen. Wenn du bei Google “blog without niche” oder “niche blogs vs. no niche blogs” eingibst, wirst du viele Beispiele finden 😉

Ich schrieb einmal eine Mail an Walter Epp (besser bekannt als “Schreibsuchti“), der einen meiner liebsten deutschen Blogs schreibt und ich habe ihn gefragt, was ich tun kann, wenn ich es einfach nicht schaffe, mich auf eine Nische festzulegen.

Seine Antwort hat mein weiteres Bloggerleben stark verändert. Er schrieb:

“Hi Charlotte,
Wenn du sehr vielseitige Themen ansprechen möchtest, dann gibt es eine Lösung: die Mission.
Welche Mission verfolgst du? Was ist dein Ziel mit dem Blog? 
Wenn du das klar und fest definierst, dann kannst du auch über verschiedene Themen schreiben, Hauptsache sie dienen deiner Mission.
Beispiel:
Deine Mission ist: Menschen sollen glücklich leben.
Deine Themen: Von Familie, Geld und Sport darf man alles behandeln, solange die Mission dieselbe bleibt, nämlich das glückliche Leben.
Das wäre die Lösung für dein Dilemma 😉
LG, Walter”
Nun habe ich also die Mission, für vielseitige Leseratten und Schreibverrückte zu schreiben 😉
Wie siehst du das denn mit den Nischen? Leidest du darunter oder findest du es eher gut? Schreib mir einen Kommentar, das würde mich sehr freuen!

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